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  • Regina Bircher

Reisen - Regina


Wo der Gott die Not sieht, schickt er die Georgier hin.

Was passiert, wenn es passiert.


Ich habe mich Mittwochvormittag sehr schwergetan, diesen schönen Platz am Meer zu verlassen. Die Erfahrung mit dem schwarzen Sand* und seiner heilenden Wirkung hat meinem Geist und Körper gutgetan.

Seit Rumänien fuhren wir durch Länder, in welchen die um uns herum gesprochene Sprache fremd war. Nicht anders geht auch hier, jedoch mit dem Unterschied, dass diese Worte und Sätze später zu unserer neuen Sprache werden. Ich bemühte mich, nach 35 Jahren mein gelerntes und bis dahin nie gebrauchtes Russisch anzuwenden.

So lala. Bis mich eine Situation aus der Rolle brachte und ich zur Erkenntnis kam.


Wir haben uns in einem Kiosk-Take Away neben dem kleinen Camping am Strand verpflegt. Die zwei Frauen beherrschen ihr Werk und zaubern himmlische Chinkali (Teigtaschen mit Fleischfüllung) her. Am letzten Abend kam unsere Heimat zu Sprache. «Von wo seid ihr?» - «Aus der Schweiz!» - «Wunderschön». Oh und Ach, nicht genug davon. Doch als ich mich «geoutet» hatte, meine tschechischen Wurzeln bekanntgab, war die Stimmung im Keller. «Mein Mann war in Tschechien als Soldat stationiert, er war Ihr Okkupant!» sagte eine der Frauen mit versteinerter Miene. Mir rutschte der Boden unter den Füssen weg. Die Vergangenheit war da, jedoch am falschen Platz! Welcome in Georgia. Ich habe keine passenden Worte gefunden, um zu reagieren, so perplex war ich. In dem Moment ist mir klar geworden: «Regina, jetzt in die Socken, dein Russisch auffrischen! Georgisch kann warten.»

Ich konnte mich dieser Aussage überhaupt nicht stellen. Wie schnell ich diese Sprache aber beherrschen sollte, ahnte ich zu der Zeit noch nicht.


An diesem Morgen hatten wir hin und her überlegt, wohin die weitere Reise geht. Zur Auswahl standen Kutaissi und der Food Markt, ein Canyon mit klarem blauem Wasser oder runter an die türkische Grenze, in das Gebiet, welches der Schweiz ähnlich sein soll. Die letzte Variante nahmen wir. Wir werden Georgien von Süden her erforschen. In diesem Moment ahnten wir noch nicht, wie entscheidend diese und die weiteren Überlegungen sein werden. Die Route in die Navigation eingegeben und los. «Fährst du oder ich?» fragt Gerold vor der Abfahrt. «Oh nein, hier noch nicht, diese Räuber auf der Bahn. Später dann schon.» - «Okay, dann bleibt hoffentlich der Hâusi noch ganz» war seine Antwort. (Mit Spass, aber mit einem Grund: am 3. Tag wurde es nämlich bereits einmal sehr eng und dank Gerolds Reaktion konnten wir damals ausweichen. Leider stand auf der rechten Seite der Strasse ein Lieferwagen. Klapf und unser Rückspiegel war weg. Wir wendeten und fuhren retour, worüber der Besitzer des Lieferwagens überrascht und erfreut war. Er klopfte Gerold auf die Schultern, mit einem Griff nahm er ein breites Klebeband aus seinem Fahrzeug, flickte den Rückspiegel. Er wünsche uns eine gute Reise und viel Glück in Georgien. Wir waren baff. Nicht nur über seine Reaktion, sondern auch darüber, dass sein Rückspiegel unversehrt geblieben war.)


Wir verlassen Batumi, dieses Las Vegas des Ostens, und folgen der schmalen Strasse über den Berg, umrandet von Nuss-, Feigen-, Apfel- und weiteren Obstbäumen. Die Navigation kommt überhaupt nicht zurecht. Der blaue Pfeil irrt auf dem Bildschirm umher und damit auch wir in diesem Geflecht. Unzählige Kühe und Hunde auf dem Weg heben erstaunt die Köpfe. Na so was? Die Autofahrer, die uns begegneten, waren die Einheimischen und einige fragten, wonach wir suchen. Gerne zeigten sie uns den Weg. Nur: wir haben uns erneut verirrt und plötzlich standen wir wieder unten am Ausgangspunkt. Jetzt ist die Qual der Wahl und die weitere prägende Entscheidung fällig. Zurück nach Batumi und die «normale» Strasse nehmen und somit auch das Chaos auf der Rennpiste zuzulassen, oder nochmal hoch. Okay, Georgien zu erforschen ist das Ziel. Also noch mal hoch durch das «Gelismete».

Wir wendeten wieder zweimal, die korrekte Strasse sah wie die Einfahrt zu einem Hof, privatem Grundstück, etc. aus. Dann fragten wir uns durch. Endlich auf dem richtigen Pfad betrachteten wir die wunderschöne Gegend, die mit hohen Rebstöcken bewachsenen Hänge und sind uns einig, dass es zwar herrlich, jedoch auch herrlich tropisch ist. Nichts für uns.


Der Hâusi ist zwar sehr wendig, jedoch mit seiner Länge muss man den unbefestigten Strassenrand mit Abstand nehmen. Wieder einmal eine Kurve nach rechts und da passierte es. Unmöglich zu handeln, unmöglich auszuweichen, unmöglich, das Ganze zu vermeiden! Wie eine Rakete schoss aus der Kurve ein Fahrzeug raus, dann Klapf und Stille. Die Grillen und Vögel sind auch plötzlich verstummt. Das ist mir sofort aufgefallen. Schräg. Wir schauten uns an. Für mich war es irgendwie selbstverständlich, dass wir unversehrt sind. Erleichtert. Wir stiegen aus, um den Schaden zu betrachten. Der junge Mann in modernen Klamotten und einem weissen Piratentuch auf dem Kopf schreit mit wütender Miene im Gesicht. «You was wrong! You are on the wrong side!» Was für eine falsche Seite? Die Strasse ist doch so schmal!

Bis zu diesem Punkt fragte ich mich noch nicht, wie es möglich ist, dass sein Fahrzeug, ein Suzuki Vitara, nur eine kleine Delle oben links hat und der Fahrer selbst fit und munter ist. Leute, er war bestimmt mit 90 km/h unterwegs!

Nachdem ich Hâusis in die Knie gezwungenes Rad gesehen hatte, dachte ich: ja wir haben ein Reserverad, das kommt schon, das Plastik lässt sich ersetzen und dann geht’s weiter. Leider kenne ich mich mit Motoren aus und in dem Moment, als mir das Getriebeöl unter die Füsse geflossen ist und ich unter die Motorhaube geschaut habe, war es für mich klar. Nix mit Reserverad! ☹

Alles verschoben. Die ganze Aufhängung an mehreren Stellen gebrochen, Differenzial auseinander, Getriebe – ein Anblick zum Erbrechen. Gerold fassungslos. Ich liess ihn stehen und ging «nach Hause», um nachzuschauen, was mit unserem Inventar passiert ist. Die kleine Pflanzenkiste ist mir als erstes entgegengekommen und ich fing an, das Granulat aufzusammeln und zu putzen! Ein Schockzustand? Die losen Sachen sind nach vorne geflogen, aber sonst sind unsere Bleibe und die Fahrerkabine verschont geblieben. Hâusis Motor und Fahrwerk – Totalschaden.

Ich nahm überhaupt nicht wahr, wie viele Leute sich um die Unfallstelle versammelt hatten.

Alle sprachen durcheinander, unser Pirat telefonierte x-mal und schliesslich verlangte er von Gerold Geld für seinen Fahrzeugschaden, damit er weiterfahren kann. Meine gute Hälfte entschied sich, die Polizei zu rufen. Wir wissen ja nicht, was richtig ist, was man so macht. Wir waren allein und überfordert. Am kürzeren Hebel. Ich stellte mich immer an den Ort, an dem am wichtigsten zu sein schien. Und ich schwieg. So bekam ich das Telefongespräch des Piraten, später auch seine Erklärung an die Polizei mit. Mein Russischkenntnisse erwachten in der Not ziemlich schnell. Ich halte mich aber weiter bedeckt. Doch als mich einer der Polizisten in gebrochenem Englisch sehr sarkastisch ansprach, dass wir hier nicht in England sind - «hier fährt man rechts» - konnte ich meine Deckung nicht mehr halten. Ich konterte ihm laut und deutlich auf Russisch, dass der stupide Pirat wie ein Arschloch herumfährt und das soll in Ordnung sein!?

Da waren nicht nur er und die Leute um uns herum überrascht. Ich selbst staunte über meine eigene Leistung.

Im Kurzen: Nachdem alles abgemessen und aufgeschrieben war, haben die Männer versucht, Hâusis Hintern von der Strasse wegzustossen. 3.5 Tonnen bitte?

Ein Lastwagen musste her und unser Zuhause wurde auf den Strassenrand gestellt und abgeschlossen.

Die Fahrt zur Polizei und die schrägen weiteren 2.5 Stunden und den Abtransport beschreibt Gerold in seinem Blog…


Zurück an der Umfallstelle weichen wir vom Hâusi keine 10 Meter. Schnell prüfen, was für Alkohol sich noch im Haushalt befindet. Der Rotweinrest und Gin halfen, die erste Fassungslosigkeit zu verdauen. Plötzlich hält ein Lieferwagen an und ein junger Mann fragt, ob wir Hilfe brauchen. Polizei anrufen, Krankenwagen etc. Wir bestätigen ihm, dass alles organisiert sei und als Witz geben wir dazu, dass uns ein Schnaps guttun würde. Hihi. Do svidanija und weg war er. Wir staunten nicht schlecht, als fünf Minuten später der gleiche Wagen wieder dastand und der Mann eine Flasche Chacha (Georgischer Grappa), Brot und einige Getränke brachte. Perplex bedanken wir uns, berührt gleichzeitig. Und er ging wieder.


Die Kojoten in der Nähe und die dementsprechend reagierende Hunde haben die Stimmung genau erfasst. Das Ganze war zum Heulen. Doch für das haben wir keine Zeit gehabt. Die Polizei kam erneut, um nach unserem Befinden zu fragen. Gleichzeitig mit einem Herrn – dem Nachbarn von «oben». Er will uns helfen, falls es etwas braucht. Rolando, der Polizist, schreibt noch seine Telefonnummer auf, entschuldigte sich und weg ist er.

Der Nachbar steht da und schweigt. Peinlich. Also Stühle und mein Gehirn her. Konversation gleich der höheren Mädchenschule. Wir sassen da und gaben Alles. Alle. Dann tauchte der Sohn des Nachbarn mit einem Sack voller Haselnüsse auf. Er setzte sich zu uns. Ich knackte die Nüsse und übersetzte - mit der Chacha ging es immer lockerer. Nach weiteren, bestimmt zehn Fahrzeugen mit Leuten, die anhielten und ihre Hilfe angeboten haben, war klar, dass wir nicht allein bleiben. Es war sehr rührend und absolut neu, solche Anteilnahme zu spüren. Als eine Familie mit kleinen Kindern vorbeifuhr und später zurückkam, war es um mich geschehen. Der Inhalt der Tasche, die sie brachten, war liebevoll zusammengestellt. Als mich die Frau bat, bei ihnen zu schlafen, (sie würden ihren Wachhund am Hâusi anbinden…), habe ich nur geweint. So krass!


Wir sind geblieben und langsam gesellten sich einige der Einwohner zu uns. Zwei Stühle, beide Landi-Fässer, Hocker, alles besetzt. Der Minibuschauffeur brachte hausgemachten Kefir, ein anderer seinen eigenen Wein, und so wurde es ziemlich spät, als wir versuchten einzuschlafen. Die Nacht war sehr unruhig.


Als morgens in der Früh der Minibus-Chauffeur anhielt, um uns mit frischem Brot vom Markt zu versorgen, der Nachbar von oben Äpfel und Zitronen brachte, wussten wir: es geht gleich weiter wie gestern. Brot um Brot mit frischen Früchten stapelte sich auf dem Tisch. Zwei Jungs eilten zu uns mit einem Wasserkocher, mit kochendem Wasser drin und Pulverkaffee-Beutelchen im Hosensack. Sie haben es im Dorf erfahren. Ihre Mutter hat Salat, Bohnensalat und frische Oliven mit Käse vorbereitet… Ich höre jetzt auf, alles aufzuzählen. Das Bild unten zeigt noch den Rest der Food-Geschenke. Das Ganze war unglaublich emotional und so unbekannt, dass wir nicht wussten, wie wir uns verhalten sollten. In einem meiner Blogeiträgen habe ich ähnliche Situationen beschrieben. Aber nie waren sie so krass, wie jetzt.


Es wurde Zeit, uns für den Abtransport parat zu machen, systematisch und überlegt die zwei Koffer mit nötigen Sachen zu packen. Das war eine Hochleistung. Wir haben keinen Plan gehabt, wohin es geht und was wir überhaupt brauchen werden. Ständig hielten neue Leute an und wollten uns helfen. Es kam sogar so weit, dass, sobald Gerold ein Fahrzeuggeräusch in der Nähe gehört hat, mir ein Signal gab und wir uns im Hâusi versteckten. Es tönt absolut

unverständlich und undankbar, doch anders hätten wir es nicht geschafft, das Wasser abzulassen, Wichtiges einzupacken und zu erledigen. Wir wollten auch keine Geschenke mehr.


Unsere Freunde kommen mit einem kleinen Fahrzeug, um uns abzuholen. Es wird schon jetzt schwierig, das ganze Essen zu verstauen. Unser Freund kam extra aus dem 400 km entfernten Tiflis angereist. Er hat auch Hâusis Abtransport organisiert. Was uns überhaupt nicht recht war, dass seine Frau und zwei kleine Mädchen ihre Ferienzeit geopfert haben. Die 6 Stunden Anfahrt, die Warterei auf den Transport, zusammengequetscht in einem Prius zu sechst. Das alles haben sie auf sich genommen. Sie seien ein Chip and Dale Rescue Team, haben sie stolz gesagt. (Chip and Dale zwei Eichhörnchen aus einer Kinderserie, nicht die glänzenden Muskelpakete – Chippendale 😉)

Mir kamen die Tränen erneut. Als Gast und Freund bist du über alles gestellt, gerade wenn du in Schwierigkeiten steckst.

Wir haben den Koffer und die IT-Sachen und den «Food -Minimarket» verstaut. Den Hâusi mit anfänglichen Schwierigkeiten und weiterer Zerstörung am schon genug ramponierten Fahrwerk aufgeladen. Bye bye, unser Junge, gute Fahrt nach Tbilisi! Wir kommen nach. (Der Hâusi wird vor dem Elternhaus unseres Freundes abgestellt und mit einer Blache zugedeckt werden. Wir haben weiterhin Zugang zu unseren Sachen.) Es gab einen rührenden Abschied von den neuen Freunden aus dem kleinen Dorf. Wir sehen uns wieder. Versprochen!


Mit «unserer» Familie fuhren wir für zwei Tage nach Batumi, damit die Mädchen und auch wir am Meer und bei gutem Essen entspannen könnten. Für die Fahrt zum Hâusi fit sind.


Der Samstag war ein Wahnsinnstag! Morgens um 6 Uhr ging es mit allen sechs Personen im Prius nach Tiflis los.

Der von der Familie organisierte Mietwagen stand parat. Wir wechselten den Kofferinhalt und fuhren mit

zwei Fahrzeugen in die Berge nach Bordschomi. Uns plagte das schlechte Gewissen. Das ältere Mädchen hätte gerade ihren 6. Geburtstag gefeiert. Wer weiss, wie in den östlichen Ländern ein Kindergeburtstag abgeht, wird es nicht glauben. Die Kleine war mit uns seit 12 Stunden im Auto unterwegs, meinte aber, «Hauptsache gehen wir in ein Hotel mit Pool, Balkon und Charvatiki (gebackene Schweinerippchen)!» Und wir sollten dabei sein. (die Variante, dass wir in Batumi oder Tiflis allein geblieben wären, kam absolut nicht in die Frage.) Wir haben es geschafft, im Pool zu baden und zu feiern. Das Bett nahm ich später etwa 5 Sekunden lang wahr, dann war ich weg. Nun sitze ich in der Hotellobby und bin erleichtert, diesen Beitrag geschrieben zu haben. Gerold und ich sind wieder locker und schlafen gut. Für uns ist die Sache emotional abgeschlossen. Den administrativen Teil erledigen wir, wenn wir wieder in der Stadt sind. Vielleicht scheint euch meine Beschreibung des Unfalls zu beschwingt zu sein. Nun, wir sind gesund und ganz geblieben. Wir lernen Georgien wortwörtlich in rasendem Tempo kennen. So bin ich auch der Meinung, wenn der Georgier nicht gerade etwas kaputt macht, flickt er. Sein Naturell gibt ihm nicht zu, dass etwas nicht funktioniert. Darum brennt ein kleines Licht der Hoffnung in mir, dass auch Hâusi, welcher in der Schweiz auf dem Schrottplatz gelandet wäre, hier eine Chance hat. Falls nicht, behalten wir ihn als Gästezimmer. 😉


Und was auch klar ist: Du kannst x-mal überlegen und entscheiden. Wie es am Schluss aussieht, das wird an einem anderen Ort bestimmt.


*

Und nun lehnt euch zurück, ich kläre noch das Sternchen auf.


«Ein kleiner Ort namens Ureki am Schwarzen Meer, den man frei übersetzen kann mit Ein Land, wo das Vieh nie vertrieben wird.


So ist es auch. Wir haben unzählige Kühe gesehen. Überall. Sogar auf der Schnellstrasse, am Strand oder vor den Läden in diesem kleinen Ort.

In der Zeit des 2. Weltkriegs haben hier die Gefangenen «magnetischen» Sand abgebaut. Ein deutscher Gefangener, Erich von Anderre, hat grosse Probleme mit seinem Herzen und dem Kreislauf gehabt. Nach kurzer Zeit bemerkte er überrascht, dass seine Beschwerden immer weniger wurden und dass auch die kranken Kühe im Sand graben, um sich hinzulegen. Er hat es gewagt, an Stalin ein Brief zu schicken. Danach ist er in den Kreml umgesetzt worden. Er wurde in einem Physikalisch-Chemischen Institut angestellt und bekam von Stalin 7 Auszeichnungen. Nach Stalins Tod ist er und Ureki in Vergessenheit geraten.


Als das Zeitalter der Raumfahrt begann, hat Ureki eine zweite Chance bekommen. Nicht nur die Kosmonauten, auch Patienten mit Muskelbeschwerden konzentrierten sich auf den schwarzen Sand. Dieser ist zu 70 % aus magnetischem Stoff. Wenn seine Temperatur um die 40° C erreicht, ist die heilende Wirkung sehr effizient. So werden hier in den Sanatorien Beschwerden wie Atemwegsprobleme, koronare Atherosklerose und Zerebralparese behandelt. Der Sand wirkt wie ein Analgetikum und stärkt das Immunsystem. Wie und warum diese Therapien funktionieren, weiss niemand genau. Dass manche Senioren diesen Ort später ohne Gehhilfe verlassen, ist der Beweis für die Wirksamkeit.

Und wie kam dieser Sand in das Meer? Nur an diesem Ort? Die zwei Flüsse Sepa und Abano haben den Sand aus den Bergen mit vulkanischem Ursprung gebracht. Bis zu 2 km weit kann man in das offene Meer laufen, so flach ist der Strand hier. Durch seine magnetische Fähigkeit können sich am Meeresboden grosse Kreise bilden. Kommt es zur Veränderung der Strömung, wird das einigen unvorsichtigen Schwimmern, die die gut sichtbare Markierung missachtet haben, zum Verhängnis.


Wir haben uns in einem kleinen Camping direkt am Strand stationiert. Ein wenig ausserhalb von Ureki. Aus Magnetiti, wie der bekannteste Teil dieses Ortes heisst, sind wir regelrecht geflüchtet. Massentourismus sei verflucht! So haben wir uns auch am Strand vergraben, aber nicht gewartet, bis der Sand am Mittag die hohe Temperatur erreicht hat. Die war auch schon unter den Flip-Flops gut spürbar. Für 20 Minuten lagen wir in diesem schwarzen Wunder. Ein seltsames Gefühl. Ein Sog entwickelte sich, der Atem wurde schwer und die 10 cm Sandschicht fühlten sich enorm schwer an. Es pulsierte an den schwachen Stellen in meinem Nacken und im Kreuzbereich. Da tat sich was. Gerolds Schuppenflechte an den Fingern und Ellenbogen ist nach 3 «Therapien» verblasst.


Nun ist es mir wichtig, euch für die Zusprüche und Anteilnahme Danke zu sagen. Wir werden uns mit weiteren Beiträgen über Georgien revanchieren. Durch den Zwischenfall lassen wir uns das Projekt Georgien nicht vermiesen und freuen uns auf weitere Inputs.



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