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  • Regina Bircher

Reisen - Regina

Das Alphabet der Reisenden


«Mutti, die Kontrolle bitte! Reisepass – ja, Medis – ja, Geld – ja, Handy mit Ladekabel – ja. Danke und Tschüss.»


So tönte es bei uns Zuhause vor jeder Reise, egal wohin. Die Koffer wurden gepackt,

doch diesmal waren es zwei Schiffscontainer und ein Citroën Jumper (Hâusi), welche logistisch und technisch optimal ausgestattet sein sollten. Wir haben es tatsächlich geschafft, am 19.6.2021 unser Basislager in Richtung Georgien zu verlassen. Ohne noch für das Vergessene zurückzukehren.

Somit gehören wir seit fünf Wochen zu den Reisenden. Mit Allem Drum und Dran.

Hâusi verfügt über eine komplette Ausstattung. Ein Bett, Bad mit der Dusche und einem Kassetten-WC, einen 3-fachen Gasherd, Abwaschbecken, Gasheizung und Boiler. Einen Tank für 150 Liter Frischwasser und 80 Liter «Schwarzwasser», einen Kühlschrank (Strom, Gas oder Autobatterie-betrieben) und viel Stauraum. Strom beziehen wir in einem Camping über das Netzkabel, im Freien benutzen wir Gas oder offenes Feuer zum Kochen. Für Power für unser Handy, Kamera und anderes Equipment sorgt «Die Tasche». Der «Booster» lässt sich mit der Sonne, mit dem Stromkabel, oder über den Zigarettenanzünder aufladen. Ganz geile Sache!

Wir haben die Stauräume so Beladen, dass es sogar Platz für Extras, beispielsweise die Gitarre gab, aber die erlaubten 3,5 t nicht überschritten wurden. Ja, Corona hat uns ein Jahr in der Zwangsjacke gehalten. So haben wir uns mit der nötigen Impfung abgefunden und da meine zu frisch war, extra einen Test vor der Einreise nach Österreich gemacht. Bis auf die Restaurants in Wien hat später nie und niemand von uns etwas verlangt, was das Zertifikat etc. anbelangt.

In keinem Camping, an keiner Landesgrenze, bis wir erst in Rumänien nach Dokumenten gefragt wurden. Die Maskenpflicht ist wenig Thema (max. im ÖV). Die Leute sitzen, trinken, feiern, lachen zusammen.


Leider hat das Thema COVID-19 an vielen Orten, die wir durchreist haben, seinen Unfug getan. Die sonst vollen Campingstellen in Ungarn waren zu 1/5 belegt. Einige blieben geschlossen und oft erlebten wir, allein oder zu zweit auf dem Platz gestanden zu haben. In Puszta – Hortobágy blieb das ganze Programm aus. Tote Hose. Traurig, beklemmend

Dafür sind die Einkäufe in den Läden oder am Strassenrand mit einem herzlichen Lächeln ohne Maske angenehm. Bis auf meine Hinweise an Gerold, der tendenziell viel einkauft, im Bezug zum Platzmangel. So lag die ganze Melone 3 Tage mal im Bett, oder im Bad, sogar im «Schreifrucksack» herum, ein Exemplar der Marke «Schreif» mit welcher wir unsere Funktion-Fashion-Teile aufgepimpt haben. Was die Garderobe anbelangt, sind wir für alle Situationen bewaffnet. Mit den Wanderschuhen und Outdoor Ausrüstung, wie die High Heels und einer Steiermark-Nobel-Herrenjacke inklusive. So können wir die Gefahr umgehen, deplatziert zu werden.


Die Gefahr selbst ist «die Geister, die ich rief» - heisst es doch - und ich musste schnell lernen und zugeben, dass es keinen Sinn macht, ständig Angst zu haben. Vor Dieben, Mördern, Kontrolleuren etc. Mein hochtrainiertes Bedürfnis, sich korrekt zu verhalten und Gleiches von Anderen zu verlangen, hat mich sehr eingeschränkt.

Eischränken müssen wir uns im Bezug zur Hygiene. Das Bad ist zwar ok, dient jedoch oft als Abstellkammer. So nutzen wir die Infrastruktur im Camping oder schmeissen wir uns in den Bach, wenn wir frei campen. Ein 10 Liter Duschsack mit einer Brause reich auch. Die Wäsche erledigt ein Landi Fass. Wäsche – Wasser – ECO Mittel rein, verschliessen und den Hang runter schicken - Es funktioniert! Fitness garantiert. Zurück muss du ihn wieder holen. 😉

Langsam werde ich locker, aber nur langsam. Gegenteil zu den «Idioten», wie ich augenschliessend die vorbeifahrenden Raser bezeichne. Die sind schnell! In Ungarn und ganz besonders in Rumänien bist du mit 70 km/h innerorts eine Verkehrsbehinderung! Ich staune, wie sich plötzlich im Dorf vier Fahrbahnen bilden und das Pferd mit dem Heu auf dem Leiterwagen passt auch noch dazwischen!

(Unglaublich, aber bis heute haben wir keinen Unfall oder Ähnliches gesehen. Es ist auch gut so.)


«Ausserorts gib alles, was das Zeug hält!» Es hält bei dem Strassenzustand aber nicht immer. Unser Inventar hat Mühe mit den Panzerpisten und wenn wir sprichwörtlich nicht «alle Tassen im Schrank haben», tönt es von dort oben echt bedrohlich. Ein paar Scherben müssen wir jedoch in den Kauf nehmen da wir ausserhalb der Hauptachsen fahren. So ist die Karte gefragt. Unsere Route stellen wir nach einem Reiseführer grob zusammen, justieren dann nach vorhandenen Stellplätzen oder Empfehlungen von Leuten, die uns begegnen. «Egal, welche Sprache du sprichst, sei offen und lass los.» Wir haben uns mit fremden Menschen zusammengesetzt, uns ausgetauscht und unseres beigetragen. Nur so, aber wirklich nur so, erfuhren wir von den herrlichen Plätzen, verborgenen Stellen und wunderbaren Menschen. Die Route ist deswegen mit vielen Abweichungen geplant.


Menschen, die uns bis jetzt begegnet sind, trugen das Herz auf der Hand. Sind es unsere Freunde, oder die Menschen in Ungarn und Rumänien gewesen – herzlich, freundlich, hilfsbereit und sehr offen. Ein Geschenk, mit keinem Preis zu bewerten. Niemals. Unsere Facebook- oder Twitter-Accounts ebenso wie die Telefon-Kontakte werden stets aktualisiert. Apropos Preise. Es ist mir aufgefallen, dass am Stammtisch die Themen Preise und Politik keinen Raum einnehmen.


Rumänien ist uns ans Herz gewachsen, die bescheidene Leute, die Natur, überwältigende Spots und herzwärmende Momente retten oft die Stimmung der Hâusi-Crew. Ob es die Hitze oder der Regen ist, die herumfliegenden Gegenstände bei holprigem Fahrtstil, Hunger, Durst, zu viel oder zu wenig Schlaf ein Grund dafür sind, sich anzugiften, wissen wir nicht. Wir tun es. Gehört dazu. Die Natur hat es clever eingerichtet. Der eine jagt, die eine sammelt. Wenn du es durcheinanderbringst, dann verwundere dich nicht! Unsere Zahnbürsten stecken im gleichen Becher und wir duzen uns noch. Wir streben es an berichten zu können. Das Spannendste schnell in einem neuen Thema parat zu haben. Unmöglich! Viel zu viele Eindrücke und Erlebnisse am Tag der «Bewegung» sind in den Tagen des «Stehens» sprich - starken WIFI-Signals - zu verarbeiten.

Die Fotos und Videos werden sortiert, die Texte geschrieben, kontrolliert, teilweise übersetzt. So werden wir nach und nach weiter berichten, je nach Situation, Standort, Müdigkeit und Möglichkeiten.

Es macht uns Freude, danke fürs Lesen, Reagieren, Motivieren.


Das Z wird in Rumänien wie S ausgesprochen. Also Saluti!


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