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  • Gerold Schlegel

Reisen - Gerold

Wie machen wir – auswählen von Einkaufen, Essen, Route, Schlafen…

Das Reisen hat seine Tücken und wir sind im Reisemodus definitiv angekommen. Als wir losfuhren war so vieles unklar. Georgien das Ziel unbestritten. Wie? Kein Plan. Die ungefähre Strecke mit den Ländern Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Türkei verknüpfen und mit möglichst wenig Autobahn Kilometer zurücklegen, das vereinbarten Regina und ich. Das Endziel Georgien wollten wir bis ca. 15. August 2021 erreichen.

Heute haben wir den 15. August und es ist offensichtlich, dass wir das Ziel später erreichen. Ob früher oder später, es ändert wenig, also nehmen wir uns diese Freiheit und verlängern. Im Gepäck haben wir eine Büro-, Bücher- und Kartenkiste. Für Bulgarien haben wir keinen Reiseführer gehabt. Rumänien kannten wir von unserer gemeinsamen Reise 2017 zum Eisernen Tor der Donau im Banat. Ziele in Ungarn: Puszta und Deutsch Jula. Eine dreigeteilte Stadt sondergleichen. In Rumänien waren die Ziele: Wassertalbahn, Donaudelta, die Pässe Transalpina, Transfagarasan und die Bicaz Schlucht. Alles andere war unklar.

Die Ereignisse von Tag zu Tag und was der Einzelne von uns beiden sehen oder besuchen wollte ergaben die Route. Das fing damit an das ich etwas über das grösste „Ballenbergmuseum Ungarns“ – Skenzen in Szentendre – las. Ich wollte die verschiedenen Materialien und Arten des Hausbaues sehen und mir die Kochherde genauer anschauen. Wer archaisch kocht hat je nach Kultur, Nation, Beruf etc. ganz andere Bedürfnisse der Zubereitung für das Essen und Trinken. Meine Annahme war, dass ich das im mit 60 Hektaren grössten Bauernhof- oder Freilichtmuseum in Sankt Andrä am vielfältigsten sehen kann. Bei Regina setzten sich die Mäuse und die Donau fest.

Da wir unbedingt die grossen Städte umfahren wollten und Donau irgendwie integrierten, landeten wir an einem historisch wichtigen Ort – Devin (Theben). Das dazugehörige Schloss ist imposant. So konnten wir Bratislava (Pressburg) am nächsten Tag elegant umfahren und uns einen Schlafplatz unterhalb an der Donau suchen. Wir landeten kurz vor Komarno (Komorn). Die Nacht war lang. Hâusi war am nächsten Morgen voll von Kampfspuren oder sagen wir es sah mehr nach Blutbad aus. Nebenbei „Komar“ bedeutet auf Tschechisch und Slowakisch – Mücke. Jetzt war alles klar. Wir haben kurz vor dem Mückendorf genächtigt. Das war das erste und einzige Mal wo wir mit so viel Mücken zu kämpfen hatten. Soviel zu: wie treffe ich die Auswahl beim Schlafplatz.

Bei der Auswahl von Campingplätzen helfen uns die beiden Apps: Park4Night und iOverlander und Reisende wie Einheimische. Wir nutzen ab Rumänien zusätzlich noch als Kartenmaterial die App: Outdooractive. Outdooractive hat uns zu den schönsten und abgelegensten Plätzen für unsere Nachtruhe geführt. Mit einer Ausnahme in der Türkei. Den Müll konnte die App in Kiyiköy nicht erkennen und war über Satellitenbild unsichtbar. Heute wissen wir sogar wieso dieses Dorf so zugemüllt ist. In Italien, Spanien, Malaysia etc. ist es üblich bewaldetes Land abzufackeln, um es wirtschaftlich nutzbar zu machen. Sprich es kann als Bauland oder wie in Malaysia als Plantage (Palmöl) wirtschaftlich genutzt werden. In Kiyiköy sollen unpopuläre Industrien angesiedelt werden. Das Land ist günstig zu erwerben. Die Menschen wollen weg.

Wenn mich jemand gefragt hätte wie wir das mit den Währungen machen, hätte ich keine Antwort gehabt. Klar war, wir haben Bargeld in CHF und EURO dabei und wechseln in den Ländern soviel wie wir ca. brauchen. Die Kreditkarte setzen wir nur in Notfällen ein. Deshalb sind die 1-2 Tage vor dem nächsten Grenzübertritt meistens gefüllt mit der Frage wieviel Geld haben wir noch? Was geht noch? Oder wir tanken Diesel, bis die Knete alle ist. In der Türkei wird das schwierig, der Diesel ist billig. Er kostet zwischen 65 bis 75 Rappen pro Liter. Eine Gasfüllung gibt’s ab 43 Rappen pro Einheit. Hier haben wir aus Vorsicht gleich zu viel gewechselt. Heute ist klar das, dass die Lebenshaltungskosten weniger als weniger kosten. Gestern gaben wir mit den Einkäufen und Frühstück CHF 15.- aus:

· 1kg Pfirsiche, Joghurt, Milch, Zwiebeln, Kartoffeln, Peperoni, Tomaten, Brot

· 3x Kaffee, 2x Tee, 3x3dl Wasser, Salat für zwei, je 1x Gemüse mit Lamm/Huhn 2x Saft (Pfirsich, Kirschen), Reis

Wirtschaftlich ist die Türkei aus meiner Sicht ziemlich am Boden. Die Menschen haben ca. 40% ihrer Kaufkraft in den letzten 15 Monaten verloren, verglichen zum CHF. Wer Bankguthaben hat sieht immer noch denselben Betrag auf dem Konto und kann noch 3/5 der Dinge kaufen die er vorher kaufen konnte. Das ist das perfide an der aktuellen Lage: Die Mehrheit der Bevölkerung ignoriert oder verdrängt die Themen rund um Geld und Wirtschaft und kann den Vorgang schlicht nicht erkennen. Wenn die Einsicht da ist, ist es viel zu spät. Das Spiel läuft in der Schweiz d.h. eher weltweit mit wenigen Ausnahmen. Doch genau die Bürger die sich wenig um Geld und Finanzen kümmern, werden die Verlierer sein. Wenn sie den Vorgang verstehen wird es zu spät sein. Der Vorgang ist hier in der Türkei erschreckend deutlich zu erkennen.

Die Überschwemmungen die wir glückerweise umfahren konnten trifft die Region – am Schwarzen Meer hart. In den deutschen Medien inklusive der Schweiz ist wenig bis gar nichts zu lesen. Was sind 50 Tote in der Türkei, wenn die Taliban das Ruder übernehmen und der Präsident der USA in der gleichen Angelegenheit lügt das sich die Balken biegen. Dazu kommen die vielen Türken die Haus oder Hof verloren haben durch die Überschwemmungen und die Feuer. Medial lässt sich das halt viel weniger Ausschlachten als die Geschichte mit den Taliban. Angst und Schrecken verbreiten geht einfacher und ist wirtschaftlich viel einträglicher. Dabei würde – Präsident Erdogan hin oder her – Anteilnahme mehr bewirken. Der Hexenkessel rund um die Taliban ist schon lange bekannt. Wer da hingeht weiss um das Risiko. Mich ärgern die Scheinheiligkeit und Empörung. Wir hatten 20 Jahre Zeit und wenig ist passiert. Speziell da es sich am Ende um eine wirtschaftliche Überlegung handelt.

Die Autobahn müsste voller Autos und LKWs sein. Doch das Autobahnstück um Istanbul zu umfahren – 4-6-spurig – ist wie leergefegt. Auf Sichtweite eine Handvoll Autos/LKWs. Die Kosten für die gefahrenen 50km auf dem Teilstück betragen mehr als CHF 10.- – ein stolzer Preis. Seit Bulgarien sehen wir äusserst selten Touristen aus Europa. Campingplätze sind noch weniger besucht als in Ungarn und Rumänien. Dasselbe Bild in den Restaurants und Strassenküchen – gähnende Leere.

Die Kosten für Camping sind in der Türkei auf der Schwarzmeerseite irgendwo zwischen CHF 3.- – 8.- pro Nacht für Hâusi und uns zwei. In Tschechien, Ungarn und Rumänien waren es ungleich grössere Spannen. Von CHF 10 – 25.- war alles dabei. Einzig der Parkplatz bei der Wassertalbahn war kostenlos obwohl mit Strom. Tagsüber konnten wir dort das offizielle WC nutzen, denn ab 21:00 Uhr ist alles geschlossen.

Die Hundeepisode bei der Wassertalbahn, köstlich. Ein streunender Hund wählt uns aus zu beschützen: Kaum kam jemand oder etwas in die Nähe von Hâusi, hat er sich lautstark bemerkbar gemacht. Schlafen wird so zur Kunst, denn auf dem Platz waren sicher 12-15 streunende Hunde, die wissen wollten was da war. Als ich mich am frühen Morgen heraus traute, hat er mich versungen als gäbe es kein Morgen. Die Situationskomik als er erkannte ich bin der Falsche war ein Bild für die Götter: Oh Schreck. Den beschütze ich ja. Sofort still. Sich hingelegt, Augen geschlossen und Kopf weggedreht.

Den Nachtruheplatz auswählen ist entweder eine Sache unserer Bedürfnisse nach Komfort oder Abgeschiedenheit. Öfters bestimmt die Route den Platz oder der Platz die Route. Was war zuerst das Huhn oder das Ei? Bei der Wahl der Campingplätze schauen wir bei Park4Night mehr auf Sauberkeit, Grösse und Lage. Oft hat es in unseren Reisegebieten wenig im Angebot. So zum Beispiel nach dem Kirchen Marathon gleich nach dem Wassertalbahnabenteuer, waren wir fix und fertig. Dazu kam Hunger und Durst. Der Campingplatz der in Frage kommen konnte ein Umweg von ca. 50 km und dazu löchrige Strassen mit Absätzen, die alles durchgeschüttelt haben. Da wird es schnell frostig oder laut im Hâusi. Kaum angekommen auf dem Platz, war alles wie weggeblasen. Trotzdem wir uns nach wie vor weder fest noch flüssig etwas gegönnt hatten. Dieser Meinungsumschwung und das Wechselbad sind auf Reisen öfters zu erleben. Was war der Auslöser? Eine grandiose Kulisse und wir die Einzigen auf dem Platz. Wir meinten wir seien in der Toskana. Der Campingplatz einfacher als einfach eingerichtet, doch die Aussicht und der Garten phänomenal. Das weisst du zu Beginn nicht, wenn du dich für einen Platz entschieden hast und anfährst. Am Morgen darauf eine mystische Stimmung mit dem Hochnebel sondergleichen.

Ein anderes Beispiel gleich ein Tag danach. Die Strecke war grenzgängig in der Länge und das Wetter schlug komplett um. Kalt, schwarze dunkle Wolken und dann ein Regen der sich gewaschen hat. Der Platz den wir anfahren wollten, war ein Kompromiss um ein Schlusspunkt zu setzen irgendwo duschen, essen und Strom zu bekommen. Die sixtinische Kirche des Ostens – Voronet Kloster – musste bis morgen warten. Mit der Wahl waren am nächsten Tag rund 30 km zweimal zu befahren.

Der Platz war neu aufgeschaltet und keine Kommentare dazu vorhanden. Einzig der Garten sah verheissungsvoll aus. Als wir anriefen erfuhren wir das sie noch Platz hätten. Ja und die Mutter würde etwas kochen, wenn wir Essen wollten, meinte der Junior. Wir sollten 5 Minuten bevor wir kommen anrufen. Das hat mich irritiert. Wie wir Schweizer sind haben wir brav angerufen und siehe da, wir wurden auf der Strasse mit Schirm erwartet. Die Einfahrt hätte ich nie im Leben gefunden, weil ich es als Einfahrt schlicht missachtet hätte. Die Hauptsprache war Rumänisch und Französisch an dem Abend. Die Mutter war lange Zeit in Frankreich. Das war ein einprägsamer Abend der bis nach Mitternacht andauerte. Verständigung einmal mit alles. Damit ist Papier, Bleistift, Hände, Füsse, Google-Translate und allerlei andere Sprachen gemeint. Das war unser Schriftsteller Abend in Rumänien. Das Camping war eine Pension. Gäste waren das Historiker Ehepaar, zwei 19-jährige hübsche Weltenbummlerinnen aus Deutschland, eine testosterongesteuerte Jugendfussballmannschaft mit ihren Betreuern und wir. Die Pension ein Irrgarten von Gängen und Räumen drinnen wie draussen. Der Garten mit viel Liebe gestaltet etwas separiert ein Treibhaus. Dort wird das eigene Gemüse angebaut und daneben gleich der Hühnerstall. In der Küche Mama mit einer Helferin und die zwei Mädels servierten um ihre Reisekasse zu entlasten. Herrlich anzusehen wie die Jungs die Mädels anhimmelten und die Telefonnummern getauscht wurden. Die Küche für jene die campieren, hatte den grössten und besten Grill inklusive Räucherofen. Noch nie sowas professionelles gesehen. Das Alter und Aussehen lassen wir weg, die Funktion perfekt. Das Frühstück sowas von reichhaltig das wir erst um ca. 15:00 Uhr wieder was gefuttert haben. Der Abschied fiel uns schwer. Wir wären gerne zu den Feiern am Wochenende geblieben. Kaum zu glauben doch uns lief die Zeit davon und die Strecke und besuchten Orte in Rumänien wurden mehr.

Einkaufen geht auf der Strasse am besten. Die Auswahl wo ich was kaufe öfters schwer oder einfach zu spät. Im Gebirge Rumäniens haben sie zu Hauf umgebaute Lastwagen mit mindestens 30-50 Bienen Völkern. Es wird gleich neben dem LKW und dem Verkaufsstand geschlafen, gekocht und gegessen. Als wir uns endlich entscheiden konnten – trotz Platzmangel – Honig zu kaufen, kam kein Bienenstand mehr. Das ging uns öfters so egal ob Restaurant, Rastplatz, Einkaufen, Tankstelle… je mehr wir sahen umso länger warteten wir. Heute wissen wir, wenn wir was sehen und Bedürfnisse haben, dann machen wir das umgehend. Die Reue oder Einsicht einen Fehler gemacht zu haben kommt schneller als vorstellbar.

Ein anderes Muster wie man bildlich vom Regen in die Traufe kommt. Das letzte Dorf an der rumänischen Grenze Vama Veche ein Hippiedorf das ihresgleichen sucht. Der Ort um richtig abzufeiern. Wir vor der Grenze. Ihr kennts wieviel Knete haben wir noch? Zwei Tage sich sortieren und schreiben. Nix da mit Party. Die Vorratskammer wird geplündert und einfache Gerichte kommen auf den Tisch. Trotzdem liessen wir es uns nicht nehmen im „Panama Jack“ Rumäniens Fisch zu essen. Panama Jack war eines der besten und urigsten Fischrestaurants in Kapstadt im Hafen. Hier direkt am Strand ein Fischrestaurant das noch mal einen oben drauf setzt. Die warme Küche 3 freistehende Holzherde die selbstgebaut wurden. Alles einsehbar. Alles was von der Grillplatte fliesst oder fällt landet im Sand. Genauso sieht der Boden aus. Es wird mit allem gefeuert was verfügbar ist und wenig kostet. Was da drauf war hat Röstaromen eben wegen der Patina. Das wird alles täglich gereinigt und der Sand ersetzt, doch gegen Schluss ist es nichts für Menschen die es gerne Sauber haben. Der gebratene Fisch und das Gemüse dagegen mit den Röstaromen die seinesgleichen suchen. Die 3 Köche verstehen ihr Handwerk und sind ein eingespieltes Team. Das was wir bestellt hatten war auf den Punkt gegrillt d.h. die Brasse war glasig. Absolut zur Perfektion gegart. Eine Kunst die nur wenige beherrschen, wenn sie mit Feuer und komplett verschiedenen Temperaturen umgehen müssen. Da hilft einzig die Erfahrung und das Können.

Wie erleben wir den Umgang mit dem C? Völlig unterschiedlich hingegen irgendwie ein vernünftigerer. Das C ist präsent doch wird es weniger auf einen Schild gehoben. Wir haben 9 Länder sprich Grenzzölle zur Einreise passiert. Einzig Rumänien und die Türkei haben das genau genommen. In Rumänien waren zwei Posten: Pass, Fahrzeugausweis und C-Dokument. Keine Tests. Dauer knapp 10 Minuten.

Der Grenzübertritt in die Türkei müsste verfilmt werden wie die Schweizermacher von Emil. Für Regina und mich Unterhaltung pur. Staunen. Kopf schütteln. Öfters: Kneif mich. Träume ich oder erlebe ich das jetzt? Kafka hätte sicher auch seine helle Freude daran gehabt. Der Reihe nach. Du siehst ein Häuschen mit einer Waschanlage und das am Zoll. Das geht mich nichts an da fahr ich durch. Beim vorbeirollen kam der Kerl aus seinem Kabäuschen herausgesprungen: Pass und Fahrzeugausweis und mir folgen. Also Papiere geschnappt ihm nach. Die Papiere werden studiert mit Stirnrunzeln und die vielen Stempel im Pass bestaunt. Dann vorwurfsvoll angesprochen ob ich nicht sehen würde das hier der Zoll ist und ich da nicht einfach durchfahren könne. Wegen C sei eine Desinfizierung des Auto’s nötig und koste Euro 3.- Ja, genau wie das bei den Viechern das Wasserbad ist musste Hâusi in die Wanne fahren und wurde mit irgendwas vollständig bespritzt. Übrigens auf meine Frage ob ich in Türkischer Lira bezahlen könne – hatte keine Türkische Lira dabei – das ginge keinesfalls. Dazu muss der Leser wissen wir sind zwischen Malko Tranowo (Bulgarische Seite) und Dereköy (Türkei) über die Grenze. Ein abgelegener und wenig befahrener Zoll. Als ich einen Beleg wollte machte er einen wichtigen Kopf und wollte mich mit seiner Autorität umstimmen. Ich unterstelle den Zöllner, dass das ein willkommener Nebenverdienst ist. Anders macht der Ganze Unsinn kein Sinn. Ich verzichtete auf den Beleg, denn ich wollte über den Zoll.

Vor mir 4 Autos die warteten. Jeder der an der Reihe war ist ausgestiegen, um das Auto herum gelaufen an das Kabäuschen auf der rechten Seite und hat die Pässe gezeigt. Das Prozedere pro Fahrzeug dauerte ca. 10-15 Minuten. Da kam schon der nächste Zöllner gemütlich angelaufen. Er will den Inhalt von Hâusi sehen. Also alle Türen auf und ausser, dass er kurz einen Blick reinwirft passiert gar nichts. Also alles wieder schliessen.

Ok, jetzt war ich endlich an der Reihe. Um Hâusi herumgelaufen, Pässe reingegeben durch das kleine Schiebefenster und gewartet. Nach gefühlten 5 Minuten wollte er den Kopf von Regina sehen und mit dem Foto abgleichen. Er hatte kein Gerät um die Pässe zu scannen, er hat nur geblättert, geschaut und ist mit den Fingern darübergefahren. Ok, ich gestehe der Pass hat viele Stempel, trotzdem war die Mimik und seine Gesichtsausdrücke komikwürdig. Irgendwann war Schluss. Ich kriegte die Papiere ohne Kommentar.

Bei der nächsten Station ging es um Hâusi, Versicherung etc. – doch leider fehlte der Stempel im Pass und keine Versicherungspapiere dabei. Also alles zurück auf Start. Der Schalter war kaum zu sehen so unscheinbar das übersehen keine Kunst war. Durch das Fenster von 30 auf 30 cm beide Pässe, Führerschein, Fahrzeugausweis und C-Papiere reingeschoben. Das Prozedere dasselbe. Die Wichtigkeit der Funktion und Macht darzustellen das Ein und Alles. Ich war genervt, doch wusste ich genau das will der Kerl ja erreichen. Also gute Mine zum bösen Spiel. Doch dieses Mal erhielt ich zwei Stempel als auch Regina ihren Kopf in die Kamera gehalten hatte. Zurück auf den Posten für die Hâusi Papiere. Der wollte jetzt die Versicherung sehen. Ernsthaft, wirklich. Er meinte natürlich das landläufig als grüne Versicherungskarte bekannte Dokument. Also kriegte er das und dann war Ruhe im Karton. Ich nahm meine 7 Sachen und fuhr los. Fehlanzeige. Eine Dame in Uniform stoppte uns und schaute in den Wagen. Wie bitte? Egal. Weiterfahren und da sass der nächste Zöllner im Schatten und mit Maske unter der Nase. Ihm zeigten wir einmal mehr unsere C-Papiere. Das war einer der genauen Sorte, denn er nahm es sehr genau. Der Abstand wurde penibel eingefordert egal ob zu nah oder zu weit weg. Kaum zu glauben jetzt standen wir vor einer geschlossenen Barriere. Ich musste aus dem Schatten retour an die pralle Sonne fahren, wo er uns stehen liess und mit allen Papieren wieder in seinem Büro verschwand. Wir konnten es nicht fassen, welcher Aufwand und Irrsinn hier stattfand. Denen musste wirklich richtig langweilig sein. Oder misstraute etwa jeder dem Anderen? Würde mich nicht wundern, wenn das unter dem 4-Augen Prinzip verstanden wird.

Wie kaufen wir ein. Hauptsächlich an den Strassen und nie am ersten Stand. Oft wenden wir und fahren den an den wir von der Auswahl her als geeignet befanden. Oder warten solange bis keiner mehr kommt und wir am Ende bei Lidl, Kaufland etc. landen. Doch, wenn wir anhalten ziehen wir nur wieder los ohne Ware, wenn sie wirklich aussieht als ob sie überfällig wäre zu verbrauchen. Das Merkmal ist wichtig. Wenn Gemüse, Honig, Melonen, Zwiebeln, Knoblauch zu kaufen sind, gibt es immer mehrere nacheinander. Der Einheimische Tarif ist nicht der Tarif für Touristen, daher bevorzugten wir Stände mit angeschriebenen Preisen. Dazu kann je nach Menge trotzdem verhandelt werden. Dabei geht es mir nicht um die Preisreduktion, vielmehr um das Palaver d.h. die Argumentation. Wieso ich beim Einen einhacke und beim anderen nicht ist komplett Bauch gesteuert. Manchmal habe ich den Eindruck bei der Menge müsste eine Reduktion drin sein. Das sind Wahrnehmungen und meine Fantasien die entstehen in Millisekunden. Wenn ich bei den Aussagen, der Tonlage, der Körperhaltung/-bewegung, etc. Widersprüche oder Unsicherheiten Wahrnehme geht es los. Das ist bei mir wie ein Zwang, jetzt will ich eine Preisreduktion. Regina ist das oft peinlich. So auch als wir einen Tontopf, Süssigkeiten und 2 Flaschen Cologne für CHF 10.- kauften. Dazu tranken wir je 2x ein kleines Glas Tee. Ich legte 100.- Türkische Lire auf den Tisch und meinte die Tees sind im Preis integriert. Das muss reichen. Der Preis ohne Tee war 105.- und in diesen Momenten ist es für Regina nicht einfach mit mir. Er wollte uns noch mehr Tee anbieten, also war klar, dass ich zu viel bezahlt habe. Manchmal verlierst du und manchmal lernst du. So ist halt das Leben.

Wenn wir Menschen treffen die Englisch, Russisch oder Tschechisch sprechen, fragen wir ihnen ein Loch in den Bauch. Was sind ihre Lieblingsplätze. Welche Orte müssten wir gesehen haben die Wenige zu sehen bekommen. Was sind Gerichte und Spezialitäten der Region. Welches Handwerk ist populär und bekannt für seine Qualität und Kunst? Wo könnten wir auf dem Markt frisches Gemüse, Früchte und anderes mehr einkaufen. Die Antworten beeinflussen unsere Routenwahl genauso. Die Augen offenhalten und sich bietende Chancen nutzen. Wer zu lange zögert verpasst die einmaligsten Erlebnisse. Etwas das uns mit Schlafplätzen, Essen, Einkaufen, Tanken, Fotomotiven und anderes mehr öfters passiert ist und wir deshalb sensibler geworden sind um solche Momente oder Gelegenheiten am Schopf zu packen. Wir kommen uns trotzdem wie naive Reisende vor, sowenig wissen wir und so grosszügig sind die Menschen mit Informationen und Hilfe.

Bevor wir nach Georgien einreisen wollen wir den Fisch finden den es nur an einem Ort in der Türkei gibt. Wie die in der Schweiz gänzlich unbekannten Haselnüsse, die ähnlich wie Reiskörner aussehen. Hier in der Region soll es weisse Bohnen geben, die keine Töne nach dem Essen beim Menschen provozieren. Das sind unsere nächsten Objekte der Begierde. Wer weiss vielleicht ist alles nur „Fake News“. Wir finden es heraus, wenn wir der Sache selbst auf den Grund gehen.

Eure Hinweise haben uns geholfen und erleichtert das zu Schreiben. Scheut euch nicht uns auf den Zahn zu fühlen. Seid unbequem und hartnäckig, denn das hilft uns wiederum präziser zu werden und Euch mehr zu nützen.


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