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  • Regina Bircher

Meins - Regina

«Auf und davon – Die Auswanderer»

«Da solltet ihr euch anmelden» haben wir oftmals gehört.

Für uns war es nie ein Thema. Wir schreiben das Drehbuch selbst.

Und keine Sorge: für Dramen und Schwierigkeiten wird gesorgt. Garantiert.

Es sind 11 Monate seit unserem Abschiedsfest im Garten vergangen und heute stehen wir in der Mitte der 4. Woche unserer Reise. Hier in Rumänien, in einem kleinen Camping nahe der Stadt Oradea, haben wir angehalten und die Roaming-Karten organisiert, damit wir die vergangenen Wochen endlich zusammenfassen können.

Gemeinsam zu berichten, war der Plan. Doch so unterschiedlich wie wir sind,

so unterschiedliche Wahrnehmung und Gefühle entstehen. Darum haben wir uns entschieden, den ersten Beitrag in «meine sache» einzeln – jeder für sich – zu erstellen. Somit vereinfachen wir für uns die Einführung in das Ganze.

Heute kann ich auch das Kopfkino abspielen. Ein Film über die Tage, bevor wir endgültig den Anker gezogen haben.

Ich funktioniere. Ich lebe einen Tag nach dem anderen mein Programm durch.

Die Müdigkeit setzt zu, so wie die zusätzlichen Kilos an den Hüften. Wir werden verwöhnt, zum Essen eingeladen und bis zu letzter Nacht voll eingespannt.

Ich funktioniere, der Adrenalinspiegel steigt, obwohl ich emotional total «unterzuckert» bin.

Bis jetzt keine Träne, kein Bedenken, nichts. Keine Zeit dafür.

Oder bedeuten die kleinen aggressiven Aussetzer und Unzufriedenheit zu/mit Gerold ein anders Gesicht der Trauer und Abschiedsschmerz? Vielleicht.

Jeder von uns kämpft auf seinem Schlachtfeld der eigenen Aufgaben, damit es endlich losgeht.

Dann sind die Container gefüllt, gesichert und die Transportgutlisten fertig.

Wir werden später die 1 960 Stück Hab und Gut bei 10 659,5 kg Gewicht über Land nach Georgien

abtransportieren lassen. Zuerst müssen wir selbst ankommen und einen passenden Platz finden.

Der Abschied am Basislager in Rubigen war schwer.

«Wie kannst du es machen? Die Kinder dalassen, auch die Enkelin und einfach verschwinden!»

Das ist oft die Frage.

«Ja, das kann ich.» Unabhängig von der Entfernung, unabhängig von der Situation, spielt sich unser Zusammenhalt auf einer Ebene des Vertrauens, des Loslassens und Seinlassens ab.

Wenn die Gefühle vorhanden sind, spielt die Kilometerzahl überhaupt keine Rolle.

Nun sind es 62119 km am Tacho, ca 4 900 km gefahren und der Hâusi ist das Einzige, was von Anfang an reibungslos läuft. Im Hâusi herrscht ein anderes Klima.

Einpendeln, einleben, einspielen, heisst es.

Nicht die Schwerpunkte des Alltags, sondern die Kleinigkeiten, unausgesprochene Wünsche oder Vorstellungen sorgen für dicke Raumluft, sture Köpfe und das Trotzkinder-Verhalten.

Sehr produktiv 😉

Haben wir uns vorher nicht genug beschnuppert und geprüft? Oh ja, das haben wir, doch noch nie zusammen in so ein Stück Projekt gebissen. Jetzt geht es um gemeinsames Kauen, Geniessen und Verdauen.

Die Prioritäten eines vertikal/horizontalen Maulwurfhügel-Bauers sind mit den Prioritäten einer Detaillistin nicht kompatibel. So kratzt es manchmal im Beziehungsgetriebe. Was solls.

Wo der Wille ist, ist auch ein Weg. Und auf dem sind und eine Weile werden wir bleiben.

Ich sitze in unserem provisorischen Büro in der Nähe des Pools. Die Infrastruktur stockt – mit dem werden wir lernen umzugehen. Im Ganzen gibt es noch viel mehr zum Lernen und Üben.

Wir haben uns gemeinsam für Georgien entschieden, gemeinsam die Lockdowns überstanden,

gemeinsam in die Wege geleitet. So ist eine unkorrekte Anweisung des Copiloten, oder ein Paar herumliegenden Socken Pipifax.

Es geht um Erlebtes. Und über das werden wir ab jetzt gerne berichten...


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